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Erfahrungen mit PMV 3 - Virus (auch Dreherkrankheit genannt)

 



Den ersten Kontakt mit dieser Viruserkrankung hatte ich bei einem Vortrag von  Fr. Dr. Beck  und Herrn Prof. Dr. Kaleta aus der Uni  Giessen anlässlich der Tagung der Interessengemeinschaft Neophemen.

Damals war ich sehr erschrocken und habe für mich gedacht, dass so etwas in unserem Gebiet wohl nicht vorkommen wird. Mittlerweile wurde ich eines besseren belehrt, denn eine Züchterkollegin bat um meine Hilfe und Erfahrungswerte. Ihre Erfahrungen mit dem Virus habe ich im folgenden Text niedergeschrieben, um damit alle Züchter für diese Erkrankung zu sensibilisieren.

Die betroffene Züchterin hatte sich im November 2003 je 1,1 blaue Glanz- und rosa Bourkesittiche gekauft. Die Tiere waren in einem äußerlich guten Zustand. Vorsorglich setzte sie die Tiere trotzdem vier Wochen in Quarantäne, bevor sie ihre eigene Voliere bezogen. Zunächst schien alles in bester Ordnung zu sein. Die Bourkesittiche interessierten sich bald nach der Quarantäne für einen Nistkasten, es dauerte auch nicht lange und die ersten Eier waren gelegt. Nach Ende der Brutzeit konnte sie fünf prächtige Jungtiere, die sehr fürsorglich von beiden Elterntieren umsorgt wurden, ihr Eigen nennen. Auch bei den naturfarbenen Glanzsittichen mit über 40 Jungtieren klappte die Zucht hervorragend.

Durch die hervorragenden Zuchterfolge wurde es nun etwas eng in den Volieren. Die neuerworbenen blauen Glanzsittiche wurden noch nicht zur Zucht angesetzt, da sie noch nicht das passende Zuchtalter erreicht hatten. Um die Bestandsdichte etwas aufzulockern, setzte der Züchter von den älteren Jungtieren einige zu den Blauen hinzu. Somit hatten alle Tiere wieder genügend Bewegungsfreiheit. Ab Mai sollten sie dann in geräumigen Aussenvolieren untergebracht werden. Dazu kam es aber nicht mehr.

Die ersten Symptome bei den Vögeln traten auf. Da sie der Züchterin nicht bekannt erschienen, wurde ihnen aber nicht die nötige Beachtung geschenkt.

So zeigten einige ihrer Tiere leichte Erkältungsmerkmale, der Kot änderte sich in seiner Konsistenz, wurde leicht wässerig und weiß. Andere Neophemen waren völlig orientierungslos und nicht imstande, Sitzstangen oder andere Gegenstände anzufliegen. Vollkommen desorientiert flogen die erkrankten Vögel gegen Wände oder Draht. Auch kam bei den erkrankten Tieren ein Kopfzittern, welches sich im Erregungszustand sogar noch verstärkte, hinzu.

Nun suchte die betroffene Züchterin, aufgrund meiner ihr gegenüber gemachten Vermutung, einen Tierarzt auf.

Dort beschrieb sie dem Tierarzt das Problem mit ihren Tieren und berichtete über den Verdacht einer Erkrankung mit dem PMV 3-Virus. Der Tierarzt sah Baytril als passendes Medikament an. Dies sollte die Züchterin ihren Tieren vier Wochen übers Trinkwasser verabreichen. Auch untersuchte der Arzt Kot von betroffenen Tieren, welcher aber ohne Befund war. Außerdem riet der Tierarzt der Züchterin, dass wenn es zu keiner Besserung unter den Tieren kommen sollte, sie erkrankte Vögel für weitere Untersuchungen zur � Universität Giessen einschicken sollte.

Trotz der Baytrilgabe besserte sich der Zustand der betroffenen Tiere nicht. Teilweise wurde es immer schlimmer, was sich dann in den ersten verstorbenen Vögeln äußerte. Nun galt es für die Züchterin schnell zu handeln um noch weitere Verluste zu vermeiden. Die verstorbenen Vögel wurden in eine Plastiktüte gepackt, aufgrund der herrschenden Wärme mit Kühlplatten versehen und anschließend in einem Karton verpackt an die Universität in Giessen geschickt. Dem Paket fügte sie ein Begleitschreiben mit Krankheitsbild sowie Medikamentengabe und eine Anmerkung mit der Vermutung einer PMV 3-Viruserkrankung bei.

Nach ca. 10 bis 14 Tagen bekam die Züchterin Nachricht von der Universität Giessen. Der Verdacht eines PMV 3-Virus habe sich bei den eingeschickten Tieren nicht bestätigt. Gefunden wurde nur ein Schimmelpilz.

Darauf hin setzte sich die Züchterin mit der Universität Giessen in Verbindung. Dort gab man ihr die Auskunft, dass die Gabe von Baytril oder auch anderen Antibiotika einen Schimmelpilz verursachen könnte und dass die Beschreibung der Symptome zum Schimmelpilz passen.

Nach Austausch von Argumenten einigte man sich darauf, dass der Halter mit betroffenen Vögeln persönlich bei der Universität vorstellig werden soll. So machte sich die Züchterin mit einigen der betroffenen Vögel auf den Weg zur Sprechstunde in die Geflügelklinik Giessen. Dort wurde sie sehr freundlich aufgenommen. Der Tierarzt bestätigte nach Begutachtung der Tiere den Verdacht auf das PMV 3-Virus. Nun galt es den Virus noch nachzuweisen. Dies sollte sich als nicht ganz so einfach heraus stellen. Der Tierarzt suchte sich von den mitgebrachten Vögeln vier Stück aus, diese wurden fachgerecht eingeschläfert und in der Virologie untersucht.

Nach einigen Tagen bekam ich einen Anruf der Züchterin der erkrankten Vögel, dass der Tierarzt bestätigt hätte, dass die Vögel am PMV 3-Virus erkrankt waren. Nun wartete die Züchterin darauf, dass ein Impfstoff erstellt wurde.

In der folgenden Zeit verendeten weitere Tiere. Das Krankheitsbild der infizierten Vögel wurde immer schlimmer. Einige der Tiere flogen wie ein Hubschrauber in sämtlichen Himmelsrichtungen durch die Luft. Andere drehten ihre Köpfe so stark das sie in einem Ausstellungskäfig von der Sitzstange aus vom Boden fressen konnten. Es war nicht weiter mit anzusehen wie sich diese Tiere quälten. Aus diesem Grund wurden die am schlimmsten erkrankten Vögel eingeschläfert.

In der Zwischenzeit bekam die Züchterin telefonisch Bescheid, dass kein Impfstoff erstellt werden konnte. Da die Züchterin noch einige infizierte Tiere hatte, besprach sie mit dem Labor, noch einmal Tiere zu bringen. Es sollten Vögel sein, die geringe Merkmale dieser Krankheit zeigten. Für sie war klar, dass sie Altvögel zur Impfstoffgewinnung zur Verfügung stellen musste, deren Junge an dieser Krankheit verendet waren. Auch nahm sie Jungtiere mit geringen Erkrankungssymptomen mit. Aus diesen Vögeln konnte sich die Laborantin die passenden Tiere für die Impfstoffgewinnung selber aussuchen. Diese Entscheidung war goldrichtig. Aus den zur Verfügung gestellten Tieren konnte der Impfstoff erstellt werden.

Unerklärlich ist, warum ihre Exoten wie Goulds-, Dreifarbige-, Rotköpfige- und auch die Forbes Papageiamadinen während der Erkrankung der Neophemen die Zucht ohne Probleme weiterführten. Auch in ihren Außenvolieren erkrankte kein Tier an dieser Virusinfektion.

Dank des aus ihrer zur Verfügung gestellten Vögeln gewonnenem Impfstoff hat die Züchterin heute wieder einen gesunden Bestand. Auch die Zucht klappt wieder und der Züchterin bereitet es große Freude, zu sehen wie ihre Jungtiere gesund heranwachsen.

Auf diesem Wege möchte ich alle Züchter bitten mit unserem Hobby verantwortungsbewusst umzugehen. Wenn wir dem PMV 3- Virus Einhalt gebieten wollen, müssen wir den Weg nehmen, den auch meine Zuchtkollegin gegangen ist. Denn nur so können wir uns sicher sein, dass das Virus nicht auf den heimischen Bestand übergreift und einen liebevoll geschaffenen Schwarm von heute auf morgen vernichtet.

Auch ist zu bedenken, dass das Virus nicht nur bei den Grassittichen sondern auch bei Sing und Nymphensittichen, Aras sowie Agaporniden und Finken als Krankheitsbild bekannt ist.

Darüber hinaus können in einem Bestand klinisch gesunde Vögel vorhanden sein, die über längere Zeiträume Virusausscheider sind. Deswegen sollte man dringend die Quarantänezeit nutzen, um einen Abstrich aus Rachen und Kloake machen. Denn dieses Virus ist auch in unserer Region sehr stark verbreitet. Viele wissen es nur nicht, die Dunkelziffer ist erschreckend hoch.

Paramyxovirus  Infektionen der Psittaziden ( PMV  1 und 3) 1
Dr. Ingrid Beck, Tierärztin
Prof. Dr. E. F. Kaleta
Kurzfassung nach einem Vortrag anlässlich der Tagung der IG Neophema am
10.09.2000 in Straßbessendorf

Einleitung : Paramyxoviren ( PMV ) sind 150 - 200mm große Partikel mit einsträngiger RNS, negativer Polarität und lipidhaltiger Außenhülle. Bei den durch Paramyxoviern verursachten Krankheiten unterscheidet man zur Zeit ( mittels HAH- Test) zwischen mindestens 9 Serotypen, PMV- 1 bis PMV -9, die jeweils bei verschiedenen Vogelspezies auftreten, die eine relativ unterschiedliche Pathogenität besitzen und eine starke wechselnde Symptomatik verursachen. Nur die PMV Stämme 1 und 3 haben bisher als Krankheitserreger bei Psittaziden besondere Bedeutung erlangt.

PMV  1- Infektion oder Newcastle- Krankheit verursacht die vor allem das Wirtschaftsgeflügel betreffende Newcastle- Krankheit ( NK ) oder atypische Geflügelpest. Außer Haus  und Wildgeflügel erkranken auch Ziervögel und Papageien. Das NK  Virus breitet sich horizontal über Kot und Körpersekrete von erkrankten, aber auch von klinisch gesund erscheinenden Vögeln aus. Eine große Rolle bei der Übertragung spielen in Europa Wild- ( Zug- ) vögel, vor allem Tauben. Zur Zeit werden Seuchenfälle beim Hausgeflügel in Norditalien beobachtet. In Deutschland wird diese Krankheit derzeit selten festgestellt. Das klinische Bild der Newcastle  Krankheit ist gekennzeichnet durch hohes Fieber mit deutlich über 42 C, allgemeine Schwäche, Durchfall und Störungen der Funktion des zentralen Nervensystems ( ZNS ) sowie Lähmungen der Flügel und Beine. Die Newcastle  Krankheit zeichnet sich durch ein akutes Krankheitsgeschehen im Bestand aus, das durch hohe Todesraten gekennzeichnet ist.

PMV  3 Infektion der Papageien oder  Drehkrankheit, Paramyxovirus type 3 infection of parakeets

PMV- 3- Infektion kommen bei Psittaziden recht häufig vor. Die Serogruppe 3 enthält die Paramyxoviren der Pute und Papageien, die eng verwandt, aber nicht identisch sind. In einigen Papageienzuchten kommt das PMV  3  endemisch vor. Bezüglich ihrer Pathogenität sind die Isolate sehr unterschiedlich. Neophema  Spezies, der Singsittich, Nymphensittiche und Agaporniden sind besonders betroffen. Finken sind ebenfalls empfänglich.

Die Virusverbreitung erfolgt durch Handel mit klinisch inapparent infizierten Ausscheidern oder während der Ausstellungen. Zur Pathogenese liegen noch keine gesicherten Daten vor, vermutlich ähnelt sie derjenigen des PMV  1. Die Virusauscheidung erfolgt ebenfalls mit dem Kot und mit Sekreten aus Nase, Rachen und Augen. Nach der Aufnahme über die Nasenund / oder die Rachenschleimhäute kommt es zu einer Virämie und Besiedlung von Organsystemen ( Atmungstrakt, Verdauungstrakt, ZNS ) Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 7 Tage.

Die klinischen Symptome bestehen anfangs meist aus leichten respiratorischen Beschwerden und Bewegungsunsicherheiten. Bei der typischen Verlaufsform kommt es einige Tage nach der Infektion zu zentralnervösen Störungen wie Torticollis, Opisthotonus, Kreisbewegungen ( Drehkrankheit ) sowie Flugunfähigkeit. Oft besteht ein Kopfzittern, das sich bei Aufregung verstärkt. In der Regel wird noch selbständig Futter und Wasser aufgenommen, wenn es in Reichweite der erkrankten Vögel angeboten wird. Daneben besteht oft eine Pankreatitis ( Bauchspeicheldrüsenentzündung ) mit typisch hell (gelb  weiß ) verfärbtem Kot, in dem der Stärkenachweis mittels Lugolfärbung positiv ausfällt.

Eine spontane Regression der nervalen Symptome ist selten. Die betroffenen Psittaziden können jedoch bei guter Versorgung viele Wochen überleben. Auffallend sind lange anhaltende ZNS- Symptome und deutlich erhöhte Todesraten durch allgemeine Auszehrung aufgrund der geschädigten Organe.

Darüber hinaus können in einem Bestand klinisch gesunde Psittaziden vorhanden sein, die über längere Zeiträume Virusausscheider sind. Eine Verdachtsdiagnose ergibt sich aus den klinischen Befunden. Unter Umständen gibt es auch Hinweise auf eine Viruseinschleppung durch Neuzukäufe bzw. nach der Rückkehr der Vögel von Ausstellungen. Die Diagnose wird durch Virusisolierung aus Rachen  und Kloakenabstrichen abgesichert. Dabei ist eine Serotypisierung erforderlich, um die anzeigepflichtige Newcastle  Krankheit auszuschließen. Beim Einzeltier muss differentialdiagnostisch ein akutes Trauma sowie eine Pankreasinsuffizienz anderer Genese ausgeschlossen werden.

Eine erfolgreiche Behandlung ist nicht bekannt Tiere mit ZNS  Symptomen und allgemeiner Auszehrung werden mit Elektrolyten und Vitaminen ( Vit. B und K ) behandelt sowie mit Breitspektrumantibiotika zur Bekämpfung bakterieller Sekundärinfektionen abgedeckt. Zur Käfigdesinfektion können alle handelsüblichen Virusdesinfektionsmittel verwendet werden. Prophylaktisch sollten bei Zukauf von Psittaziden die allgemeinen Quarantänemaßnahmen eingehalten werden. Eine kommerziell hergestellte Vakzine gibt es bisher nicht. Bestandsspezifische Inaktivatvakzine können in geeigneten Labors hergestellt werden. Die für Puten zugelassenen, inaktiviertes Puten  PMV 3 enthaltenden Impfstoff können nur mit einem eher geringen Teilerfolg zur Immunisierung von Psittaziden eingesetzt werden.

Literatur:
Kaleta, E. F. und M. E. Krautwald  Junghanns, Hrsg. ( 1999 ) : Kompendium der
Ziervogelkrankheiten. Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover.

Anschrift:
Institut für Geflügelkrankheiten
Justus - Liebig - Universität Gießen
Frankfurter Str. 91 - 93
35392 Gießen
Tel. : 06 41 / 99 38 43 1